Luther nannten ihn den "Satan von Allstedt" und begrüßte die blutige Niederschlagung des von Thomas Müntzer angeführten Bauernaufstands. Doch Müntzer war nicht nur politischer Revoluzzer, sondern auch ein radikal mystischer Gottsucher.
Sind Protestantismus und Mystik unvereinbar? Wichtige Theologen wie Harnack und Barth vertraten diese Ansicht vehement – und prägten so das evangelische Glaubensleben des 20. Jahrhunderts. Schon Dietrich Bonhoeffer spürte, dass dadurch etwas verloren ging – das Geschenk des "Sakraments der Stille".
Befreiung oder Schwärmerei? Martin Luthers Haltung zur Mystik war ambivalent. Der Kreuzesmystiker Paulus begründete Luthers "sola gratia" – die Mystik-Ansätze mancher Zeitgenossen hingegen bekämpfte er erbittert.
Vom Seraphim von Sarow bis zum Athos: Das Starzentum der Ostkirche verbindet Herzensgebet, geistliche Begleitung und die Erfahrung des Taborlichts – eine Mystik der Nähe zu Gott im Alltag.
Das Herzensgebet verbindet Atem, Körper und Name: "Jesus Christus, erbarme dich meiner". Vom Nikolaus Kabasilas bis zur modernen Praxis reicht eine mystische Tradition der Ostkirche – still, konzentriert, transformierend.
Der NASA-Wissenschaftler Robert Jastrow beschreibt die Grenzen der Naturwissenschaft als überraschende Begegnung am "letzten Gipfel". Nikolaus von Kues denkt Gott, Welt und Wissen als Einheit in paradoxer Unendlichkeit.
Helmut Schmidt spottet über Visionen, Rudolf Bultmann will die Bibel von Mythen befreien, geprägt von Martin Heidegger. Zwischen Rationalität und Glauben stellt sich die Frage, was vom Christentum bleibt, wenn Wunder nur noch als Deutung gelten.
Das Taizé-Lied "Nada te turbe" führt zu Johannes vom Kreuz. Mit Teresa von Ávila prägt er die Karmelreform im Spanien des 16. Jahrhunderts. Aus Armut, Inquisition und Haft entstehen Texte großer poetischer Kraft und radikaler Gottesliebe.
Eine Nonne widersetzt sich Macht und Misstrauen: Teresa von Ávila reformiert Klöster, schreibt Bestseller des Glaubens und vertraut ihren Visionen. Ihr Weg zeigt, warum gelebte Liebe wichtiger ist als fromme Regeln.
Ein verwundeter Ritter wird zum geistlichen Lehrer Europas: Ignatius von Loyola entdeckt in der Stille eine neue Freiheit. Seine "Exerzitien" zeigen bis heute, wie Glaube erfahrbar wird – und warum wahre Freude mehr ist als Erfolg.
Der Sufi-Dichter Rumi gilt heute als einer der meistgelesenen Mystiker weltweit. Seine Poesie kreist um die alles verbindende Liebe zu Gott und prägt bis heute interreligiöse Spiritualität – von der islamischen Mystik bis zur modernen Rezeption im Westen.
Der Sufismus gilt als wichtigste Strömung islamischer Mystik und stellt die Liebe zu Gott ins Zentrum. Von Rumi bis zu heutigen Praktiken reicht eine Tradition, die auf Verinnerlichung, spirituelle Erfahrung und die Einheit allen Lebens zielt.
Die Mystiker Richard Rolle, Walter Hilton, Juliana von Norwich und der "Cloud"-Autor öffnen Wege zur Herzensreligion. In der "Wolke des Nichtwissens" lernen Lesende, Gott jenseits von Wissen, Bildern und Begriffen als reine Liebe zu erfahren.
Er war ein unscheinbarer Mönch, als er "Das Buch von der Nachfolge Christi" schrieb. Es wurde das nach der Bibel meist gelesene Buch der Christenheit – ein Klassiker christlicher Mystik.
Für Bonaventura gibt es keine Trennung von Wissen und Glauben: Alles Denken bleibt auf Gott bezogen. Der Franziskaner verbindet Wissenschaft und Mystik – und erinnert daran, dass Staunen der Anfang jeder Erkenntnis ist.
Hexen auf dem Brocken, Feuer in der Nacht – doch was steckt wirklich hinter der Walpurgisnacht? Zwischen Harz-Folklore, einer fast vergessenen Heiligen und düsteren Kapiteln der Geschichte entsteht ein Fest voller Widersprüche.
Ein mittelalterlicher Mystiker, den Martin Luther schätzte, klingt überraschend modern: Johannes Tauler lehrt Schweigen, Innerlichkeit und Gelassenheit – und sagt zugleich radikal klar: Auch aus dem "Mist" des Lebens kann etwas Gutes wachsen.
Bereits als Kind hatte sie Visionen. Päpste bestätigten sie, Bischöfe fürchteten sie. Wer war Hildegard von Bingen wirklich – und was hat ihre Botschaft mit unserer Zeit zu tun?
Loslassen, schweigen, innerlich werden: Meister Eckharts christliche Mystik klingt nach Mittelalter – und trifft den Nerv unserer Zeit. Eine Begegnung mit dem tiefgründigsten Philosophen des Christentums.