Nürnberg (epd). Zur Sorgfalt und Redlichkeit bei der Diskussion um einen möglichen neuen Zivildienst hat die Diakonie Bayern gemahnt. Weder könne ein solcher Dienst kurzfristig eingeführt werden, noch seien Zivildienstleistende ein Ersatz für ausgebildete Pflegekräfte oder Erzieherinnen, erklärte Diakoniepräsidentin Sabine Weingärtner in einer Pressemitteilung vom Mittwoch. "Der Gewinn für die Gesellschaft besteht nicht darin, dass junge Menschen möglichst billig irgendwo eingesetzt werden, sondern darin, dass sie Verantwortung übernehmen, fachlich begleitet werden und eine Perspektive für ihr Leben entwickeln können", so die Diakoniepräsidentin.
Weingärtner begrüßte die frühzeitige Einbeziehung der Wohlfahrtsverbände und markierte einige Knackpunkte. So brauche ein flächendeckender Zivildienst auch wieder Strukturen für Auswahl, Einsatzplanung, Verwaltung, Anleitung und pädagogische Begleitung. "Ein seriöser Aufbau wird mindestens ein Jahr dauern", betonte die Präsidentin. Zugleich müsse die Einsatzzeit der Zivis zu den Bedürfnissen der sozialen Einrichtungen passen: Für beide Seiten sinnvoll werde der Dienst erst mit einer Dauer von zehn bis zwölf Monaten.
Bund muss alle Kosten tragen
Neben einer angemessenen Vergütung der Zivildienstleistenden müsse der Bund auch die Kosten für Verwaltung, Schulungen, Anleitung und Begleitung vollständig finanzieren. Zudem dürften die bestehenden Freiwilligendienste durch einen neuen Zivildienst nicht gefährdet oder schlechter gestellt werden.
Hintergrund der Überlegungen sind Vorbereitungen der Bundesregierung für den Fall, dass die derzeit ausgesetzte Wehrpflicht wieder aktiviert wird. Das Bundesfamilienministerium habe große Verbände nach möglichen Einsatzstellen für einen Wehrersatzdienst befragt. Eine Wiedereinführung des Zivildienstes sei bislang allerdings nicht beschlossen. Sie käme erst in Betracht, wenn der Bundestag wegen unzureichender Freiwilligenzahlen eine sogenannte Bedarfswehrpflicht aktiviert.